Golden Door

OT: -  120 Minuten -  Drama
Golden Door
Kinostart: 13.07.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Golden Door

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Die goldene Tür öffnet sich und saugt die armen italienischen Migranten auf und befördert sie direkt ins Paradies: Amerika, dort wo gigantische Früchte wachsen, Bäche aus Milch fließen und alle glücklich sind. So haben es sich die verarmten italienischen Auswanderer am Beginn des 20sten Jahrunderts zumindest vorgestellt, doch die Wahrheit sah anders aus: Am Ende ihrer Reise wartete nicht das Paradies, das sie mit offenen Armen empfängt, sondern entnervte Bürokraten, die streng kalkulierte Tests mit den Einwanderern durchführte und ungeeignete sofort wieder in die alte Heimat schickte. Unverheirate Frauen wurden gar nicht erst kontrolliert, sondern postum zurückgeschickt. Als Ausweg blieb ihnen nur die örtliche Heiratsvermittlung zu besuchen und sich einen Mann zu besorgen.

Golden Door widmet sich der Geschichte dieser Einwanderer und gibt ihr einen neuen Anstrich. Zwar haben sich schon einige Filme zumindest im Teil mit diesem historischen Thema befasst, aber noch keiner ließ die amerikanische Fassade ähnlich bröckeln wie Golden Door. Alles macht der Film allerdings keinenfalls richtig. Im Großen und Ganzen beschreibt er nämlich nur die Reise zum großen Ziel Amerika und veranschaulicht vom Aufbruch bis zur Ankuft der Migranten mit großer historischer Präzision die damaligen Umstände, vergisst jedoch ein wenig auf den Zuseher, für den es manchmal ziemlich langatmig wird. Auch ist es enttäuschend, dass Golden Door mit dem Aufnahmeverfahren in Amerika endet und völlig offen lässt was den Charakteren dort widerfährt.

Da in der Heimat zunehmende Ressourcenknappheit vorherrscht und die Nahrungsmittel zur Neige gehen, unterstützt die italienische Regierung viele Bürger beim Auswandern nach Amerika. Salvatore (Vincenzo Amato) ist einer von ihnen und gemeinsam mit seinen Kindern und seiner Mutter will er sein Glück auf der anderen Seite des Atlantiks suchen. Sie treten die Reise an und an Bord des Schiffs lernt Salvatore die hübsche Engländerin Lucy (Charlotte Gainsbourg) kennen. Als die vierwöchige Überfahrt allerdings zu Ende ist, wird der Italiener aus seinen Träumen gerissen: In Amerika wartet keinesfalls ein Land aus Milch und Honig auf ihn. Stattdessen wird er mit einem mühsamen Aufnahmeverfahren begrüßt...

Es ist durchaus berechtigt wenn so mancher Zuseher hochgesteckte Erwartungen gegenüber Golden Door hat. Immerhin wurde Lampedusa, der letzte Film von Regisseur
Emanuele Crialese in Cannes mit dem Preis der jungen Filmkritik geehrt und Golden Door selbst wurde letztes Jahr mit dem silbernen Löwen in Venedig ausgezeichnet. Nur sollte der geneigte Zuseher mit seiner Erwartungshaltung vorsichtig umgehen. Denn wenn man sich zuviel erhofft, wird der Film sicher sehr ernüchternd sein. Golden Door hat einige gute Ideen, jedoch auch viele Durchhänger und am Ende geht man leider nicht völlig zufrieden aus dem Kino heraus.

Der Grund dafür ist, dass Golden Door eine relativ unpointierte Geschichte vorträgt und wie gesagt an vielen Stellen deutliche Durchhänger hat. Im Großen und Ganzen retten die positiven Aspekte den Film und rechtfertigen, Interesse für die Thematik vorausgesetzt, auch den Kinobesuch, aber der große Wurf ist Golden Door definitiv nicht. Gelungen ist sicher die akkurate Rekonstruktion der Vergangenheit und die genaue Darstellung der Migrantenlebens. Auch weiß es zu gefallen wie man zuerst eine Erwartungshaltung auf das "gelobte Land" Amerika aufbaut und diese dann zerstört indem man die Figuren in die bittere Welt entlässt.

Richtig großartig sind allerdings die surreal angehauchten Vorstellungen von Salvatore, der Amerika als Land mit Riesenkarotten und Milchbächen sieht. In diesen Einstellungen kann Regisseur
Emanuele Crialese sein ganzes Können ausspielen und beweist sein feinfühliges Gespür für Bildästhetik. Auch die Ankunft in Amerika wird herrlich unklischeehaft, ohne die auftauchende Freiheitsstatue am Horizont, gezeigt. Das Auswahlverfahren auf Ellis Island schließlich verdient lediglich das Prädikat "interessant". Von packend kann hier keine Rede mehr sein.

Dieser Satz kann auch repräsentativ für den ganzen Film herangezogen werden. Zwar werden dem Zuseher durchaus interessante Fakten über das Migrantendasein und die Reise nach Amerika präsentiert, jedoch sind diese immer nur interessant und nie faszinierend.
Emanuele Crialese hat den Zuseher beinahe schon zu genau in das Leben der Auswanderer hineingezogen: Zwar schafft er es die Wünsche in Amerika und die anschließende Enttäuschung sehr gut umzusetzen, jedoch gelingt es auch vortrefflich die bei der Überfahrt sicher entstandene Langeweile auf den Zusehr zu übertragen.

Fazit:
Golden Door hat einige interessante Ideen und gibt der Migrantenstory einen neuen Anstrich, jedoch gelingt es nicht den Zuseher dauerhaft zu fesseln. Der Film beschränkt sich nur auf Aufbruch, Überfahrt und Auswahlverfahren in Amerika, verzichtet jedoch darauf zu zeigen wie es den Protagonisten schließlich in Amerika ergeht. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn sonst wäre der Film sicher unerträglich lang geworden. Für Interessierte sicher ein Erlebnis, jedoch deutlich zu viele Längen um uneingeschränkt empfohlen zu werden.

Wertung:
6/10 Punkte

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