Black Swan (2010)

OT: Black Swan - 108 Minuten - Drama / Thriller
Black Swan (2010)
Kinostart: 21.01.2011
DVD-Start: 15.05.2011 - Blu-ray-Start: 01.06.2012
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Filmkritik zu Black Swan

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Darren Aronofsky ist einer der ganz großen zeitgenössischen Filmemacher. Mit Requiem for a Dream und The Wrestler hat er bereits zwei zeitlose Meisterwerke in seiner Vita verewigt und auch sein neuester Film Black Swan zeigt wieder eindrucksvoll warum man als Filmfan immer noch bedenkenlos in Vorfreude geraten darf, wenn ein neues Werk von ihm vor der Tür steht. Um es für ungeduldige Leser kurz vorweg zu nehmen: Black Swan ist einer der besten Filme des Jahres und Natalie Portman liefert die Leistung ihrer Karriere. Ihre Tour de Force kann ohne schlechtes Gewissen als die ultimative Schauspielleistung des Jahres bezeichnet werden.

Dem New Yorker Ballet steht ein Generationenwechsel bevor. Regisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel) hat das ehemalige Aushängeschild Beth (Winona Ryder) abgesägt und sucht nun eine neue Hauptdarstellerin für seine Schwanenseeinszenierung. Die Wahl fällt schließlich auf die ehrgeizige Nina (Natalie Portman), die schon lange auf den großen Durchbruch hofft. Doch es liegt viel Arbeit vor ihr. Denn obwohl sie den weißen Schwan herausragend verkörpert, hat sie doch große Schwierigkeiten mit dem schwarzen Schwan. Und je mehr sie sich in die Rolle hineinsteigert, umso mehr verändert sie sich. Ausserdem fühlt sich Nina durch die unkonventionelle neue Tänzerin Lily (Mila Kunis) bedroht...

Black Swan bildet gemeinsam mit The Wrestler eine Einheit. Während The Wrestler gewisser Maßen den männlichen Aspekt des Showbusiness verkörperte, folgt mit Black Swan nun das weibliche Gegenstück. Die Parallelen sind dabei zahlreich: Beide Filme werfen einen Blick hinter die Kulissen der "Bühnenunterhaltung", beide rücken sehr nahe an die Darsteller heran (wobei Darren Aronofsky seinen Hauptdarstellern in beiden Fällen großartige Leistungen entlockte) und beide drehen sich im Wesentlichen um die Sehnsüchte der Hauptfigur, die auf selbstzerstörerische Weise ihren Wünschen nachjagt.

Besonders interessant ist dabei wie sowohl The Wrestler, als auch Black Swan den menschlichen Körper in den Mittelpunkt rücken. Waren es in The Wrestler die Vorbereitung, die anschließende Zerstörung im Ring und schließlich die Rückbesinnung auf das Menschliche in der Umkleide, findet Aronofsky in Black Swan nun andere Möglichkeiten aufzuzeigen wie sich die Obsessionen in körperlichen Schäden manifestieren. Black Swan verweist immer wieder auf die geschundenen Füße der Hauptfigur und auf andere Ledierungen die durch das ausgiebige Üben hervorgerufen werden. Besonders interessant sind dabei aber auch die psychischen Schäden.

Und das bringt uns zu einigen anderen interessanten Punkten. Denn Aronofsky kleckert nicht in seiner Inszenierun, er klotzt. So wirkt sich die psychische Metamorphose der Hauptfigur auch auf ihren Körper aus. Black Swan taucht in die Untiefen der menschlichen Psyche ab und im Schatten der Obsessionen lauert hier der blanke Horror. Aronofsky war nie ein Regisseur der leisen Zwischentöne und so ist auch Black Swan wieder ein dick aufgetragener Film, der den Zuseher durch seine kraftvolle Inszenierung förmlich verschlingt. Black Swan ist wie ein epischer und dynamischer Balletttanz der den Zuseher um den Finger wickelt.

Natürlich muss man sich auf diesen Stil einlassen. Denn Black Swan ist bis zum Bersten vollgestopft mit Parallelen in den verschiedenen Storyschichten. Zentral ist dabei immer wieder das Schwanenseemotiv und die Metamorphose von Natalie Portman vom behüteten weißen Schwan hin zum gefallenen schwarzen Schwan. Spiegelungen, Verzerrungen und Andeutungen finden sich immet wieder im Film und Aronofsky versucht erst gar nicht zu kaschieren in welche Richtung sich alles entwickelt. Stattdessen wird der Zuseher durch die unglaublich starke und kreative Inszenierung förmlich mitgerissen.

Das Schöne an der Sache ist, dass Darren Aronofsky die seltsame Gattung der Künstler ganz altmodisch als besessene versteht. Obsessionen, harte Arbeit, künstlerischer Auf- und eomotionaler Abstieg gehen Hand in Hand. Black Swan lotet dabei geschickt die Seelenwelt seiner Hauptfigur aus, entdeckt dort scheinbar eine verschlossene Schatulle, gefüllt mit Dunkelheit und sexuellem Verlangen und konfrontiert die Hauptfigur schließlich mit diesem Inhalt. Das Ergebnis ist eine Art psychologische Landkarte des eigenen Unterbewusstseins, gespickt mit Horroranleihen wenn sich die verschiedenen Persönlichkeitsebenen begegnen.

Eine Klasse für sich ist dabei die umwerfende Natalie Portman, die in Black Swan die Rolle ihres Lebens spielt und erneut ihr Talent aufblitzen lässt. Ihre unglaubliche Tour de Force ist schlicht DIE Schauspielleistung des Jahres. Mit unfnfassbarer Eindringlichkeit durchlebt sie die Metamorphose ihrer Rolle vom weißen zum schwarzen Schwan auch im Privatleben, wenn sie aus dem Kokon der mütterlichen Überfürsorge schlüpft um ihr verspätetes sexuelles Erwachen zu feiern. Schlussendlich wandert sie am Grat des eigenen Verstandes und ihr finaler Auftritt am Ende des Films visualisiert auf herausragende Art und Weise wie dieser Balanceakt aussieht.

Summasumarum ist Black Swan ein ungemein wuchtiger Film, der die Psychologie und die Seelentopologie seiner Hauptfigur auf virtuose Weise auslotet. Darren Aronofsky steigt in die Untiefen des menschlichen Verstandes, und bearbeitet auch die Zuseher mit Spiegelungen, Projektionen und Parallelen innerhalb den verschiedenen Storyschichten. Und es ist schlicht eine unglaubliche Freude dem Regisseur dabei zuzusehen. Black Swan ist einer der denkwürdigsten und besten Filme des Jahres. Sollte man unbedingt gesehen haben.

Fazit:
Black Swan ist das nächste Meisterwerk des großartigen Darren Aronofsky. Der Film blickt tief in die menschliche Psyche und besticht durch hypnotiserende Ästhetik und starke Darsteller. Natalie Portman ist schlicht ein Ereignis und liefert die ultimative Darstellerleistung des Kinojahres. Natürlich bleibt Aronofsky seinem Stil treu und setzt eher auf große Gesten, als auf leise Zwischentöne. Für alle die mit dem Oeuvre des Regisseur etwas anfangen können wird Black Swan aber garantiert zu einem großen Ereignis. Man kann es auch knapp formulieren: Black Swan ist einer der besten Filme des Jahres.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 6 | Wertungen: 138
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