Unleashed

OT: -  102 Minuten -  Action / Thriller
Unleashed
Kinostart: 12.05.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Unleashed

Von am

Für Jet Li („Total Risk“, „Black Mask“) war der Ausflug nach Hollywood ein zwiespältiges Vergnügen, versuchte man ihn dort doch in ein Schema zu pressen, das seinen schauspielerischen Fähigkeiten nur ungenügende Entfaltungsmöglichkeiten bot. Daran sollte auch „Kiss of the Dragon“, Lis erste Zusammenarbeit mit Besson, nichts ändern. Die kurzzeitige Rückkehr in die Heimat mit „Hero“ stellte wieder einen Aufwärtstrend dar, dem sich gleich wieder der nur überdurchschnittliche „Cradle 2 the Grave“ entgegenstellte. Was steht einem 40jährigen Martial-Arts-Experten da noch zur Wahl? Sicherlich mehr, als „Unleashed“ letztlich zu bieten hat.

Denn wie wir seit Jahren wissen, versteht sich Besson, der das Inszenieren seit seinem brachial fehlgeschlagenen „The Messenger: The Story of Joan of Arc“ lieber anderen überlässt, auf das Produzieren und Schreiben kurzweiliger Trendkost. Seine Ausschussquote ist hoch und auf zugegeben wirklich gelungenen Ideen kommen dann auch gleich zwei bis drei schlechte. „Unleashed“ siedelt sich mittendrin an. Nichts Halbes und nichts Ganzes und das kreide ich Bessons Drehbuch an. Denn hätte er sich getraut hier ein astreines Drama um einen Mann, der das Leben für sich entdeckt, zu schreiben, hätte man den Film Ernst nehmen können. So bleibt ein fader Beigeschmack mit übel aufstoßendem B-Movie-Attitüden. Zu Verantworten hat die Regie niemand anderes als Louis Leterrier, dessen Debüt „The Transporter“ ein echter Hit war, aber auch in eine ganz andere Richtung zielte. Genau wie dort Corey Yuen, lässt er auch hier die Finger von den akrobatischen Actionszenen und überlässt diese lieber Hongkongs Choreographie-Ass Yuen Woo Ping.

Verpackt in eine fast monochrome, triste Optik erzählt er die Geschichte von Danny, der vom skrupellosen Geldverleiher Bart (Bob Hoskins, „Who Framed Roger Rabbit“, „Super Mario Bros.“) nicht aufgezogen, sondern wie ein Hund abgerichtet wurde, in einem Verschlag haust, sich wie ein Tier ernährt und dessen geistiges Niveau dem eines Kleinkindes gleicht. Auf Signal, das Abnehmen seines Halsbandes, tötet er, womit er Bobs Forderungen stets kräftigen Ausdruck verleit. Nur dumm, wenn er ihn mal nicht erreicht und seine Kampfmarionette führerlos apathisch in der Gegend herumsteht... Als auf Bart ein Attentat verübt wird, flüchtet Danny sich zu Sam (Morgan Freeman, „The Shawshank Redemption“, „Se7en“), einen blinden Vater und Klavierspieler, der als Witwer seine Stieftochter Victoria (Kerry Condon) großzieht und den jungen, verschüchterten Mann mit der nötigen Sensibilität in das Leben einführt. Der erneut in Dannys Leben eintretende Bart will ihn jedoch zurück...

Das Drama, wie auch die Actionkomponente funktionieren für sich prächtig, beißen sich aber und harmonieren nicht miteinander. Der mit unzähligen Klischees ausgestattete Teil um Bart, der das lukrative Angebot nicht ausschlagen kann und Danny bei illegalen Wettkämpfen einsetzt (Schon wieder diese reichen Schnösel, die sich ekstatisch daran aufgeilen, wie Männer sich zu Tode prügeln und dabei Bündel mit Pfundnoten schwingen, die andere hart für sie erarbeitet haben..), führt den Film wirklich in tiefste B-Movie-Niederungen hinab, die vor allem Jet Li gar nicht nötig hat. Die Kämpfe sind zweifellos, nicht wie erwartet top, aber solide choreographiert, wenn auch jenseits älterer Hongkong-Produktionen (u.a. „Black Mask“), mit relativ harten Moves versehen, lassen aber auch an Bessons kreativen Auswüchsen zweifeln (Wobei ich mich dann auch frage, wer Danny diese Martial-Arts-Künste vermittelte..). Denn Hoskins gibt sich wirklich alle Mühe, besonders während der Kämpfe, so richtig schön ein vorbildliches Arschloch zu mimen. Er ist ein Choleriker wie er im Buche steht, er bekommt lediglich erkauften Sex, tötet aus Lust, lügt und ist ein selbstherrlicher Egozentriker, dem das Schicksal Dannys egal ist. Eben eine Figur, wie sie aus unzähligen B-Movies entlaufen sein könnte und wer noch daran glaubt Hoskins schauspielerische Fähigkeiten könnten solch einer Figur noch neue Seiten abgewinnen, der wird hiermit auch flugs desillusioniert.

Viel besser da schon seine Flucht zu Sam und Victoria. Nicht weil Leterrier, der sich auf die Optik, die er auch entsprechend der Grundstimmung gestaltet, aber nicht auf seine Figuren versteht, so ein toller Regisseur ist, sondern weil Li eben immerhin eine Ikone wie Morgan Freeman zur Seite gestellt wird, der so ziemlich jeden Darsteller an die Hand nehmen kann und ihn über die Grenzen seiner Künste hinaus führt. Li lässt sich von Freeman, der mit so unglaublich viel Sympathie, menschlicher Wärme, Güte und stiller Souveränität jede Szene ausfüllt, an besagte Hand nehmen und liefert eine beeindruckende Bravourleistung ab. Der Mann, der anfangs noch unter dem Bett verkriecht, später gerade mal an den Essenstisch wagt und später schon mit Sam, der ihn erst geschickt über die Musik anspricht, einkaufen geht und Victoria von der Schule abholt, lernt zu leben, gewinnt völlig neue Eindrücke wie Spaß und Freude und lernt die Harmonie dieses einfachen Familiengefüges, das er bis dato nicht kannte, über alle Maßen zu schätzen. Der ausdrucksstarke Li bringt diese im Grunde kindlichen Erfahrungen wunderbar und nicht ohne dezenten, passenden Humor (Wer zum ersten Mal Eis ist...) rüber. Der unglaubwürdig flotte Lernprozess ist da fast ein zu vernachlässigendes Manko.

Leider wird dieses in Ansätzen wirklich gute Drama ruppig von Bart und dessen Schlägertruppe unterbrochen, die final Danny ans Leder wollen und freilich Prügel kassieren, während der arme Junge, der längst seine tragische Vergangenheit und damit auch das Schicksal seiner Mutter, auf das Bart direkt Einfluss hatte, kennt, sich zwischen mörderischer, sich rächender Kampfmaschine und dem Menschsein entscheiden muss. Aber erst wenn er den Endgegner besiegt hat...

Fazit:
Jet Li knüppelt sich wieder erstklassig durch seine Gegnermengen, doch das ist hier im Grunde sekundär. Hätte Besson sich zugetraut ein reinrassiges Drama um die Integrierung eines geistig zurückgebliebenen, aber lernfähigen Mannes in das Alltagsleben zu schildern, hätte aus „Unleashed“ ein wirklich guter Film werden können. So bleibt nur der gutgemeinte Vorsatz, der mit einer niveaulosen Klischeestory um einen widerlichen Geldeintreiber, der sich seinen abgerichteten Killer hält, um seine potentiellen Lorbeeren gebracht wird. Nicht nur schade um Jet Li, der in den Kampfszenen, wie auch in den sentimentalen Ruhephasen des Films eine tolle Figur abgibt, sondern auch um solch eine Größe wie Morgan Freeman. Bob Hoskins gehört hingegen dorthin, wo er seit Jahren sein Geld verdient (Wie passend: im B-Milieu...). Hoffentlich laufen Besson und Leterrier mit Yuen für „The Transporter 2“ wieder zu alter Stärke auf.

Wertung:
5/10 Punkte

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