Der Babynator

OT: -  95 Minuten -  Komödie
Der Babynator
Kinostart: 14.04.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Babynator

Von am

Wenn Actionstars ins Komödienfach wechseln, ist das immer eine heikle Sache, weil sie hier anfangen müssen zu schauspielern und tatsächlich mal mit der Umwelt zu interagieren, anstatt sie nur zu zerstören. Regisseur Adam Shankman („The Wedding Planner”, „Bringing Down the House”), hier auch in einer Minirolle als Fahrschullehrer, nimmt sich dieser Aufgabe an und bugsiert ausgerechnet Vin Diesel in eine für ihn bis dato unbekannte Situation, ein Haus voller Racker, die alle ihren eigenen Kopf haben und altersbedingte Probleme haben. Der Film schlug seinerzeit am amerikanischen Boxoffice ein, spülte mit seinen 113 Millionen Vin Diesel nach dessen Megaflop „The Chronicles of Riddick“ wieder in die Erfolgsspur und durfte sich über moderate Kritiken freuen. Also alles im grünen Bereich?

Mitnichten, denn man kommt kaum daran vorbei „The Pacifier“ mit „Kindergarten Cop“ zu vergleichen, denn die beiden Konstellationen sind zu ähnlich und Shankmans Film zieht klar den Kürzeren. Die Niederlage lässt sich vor allem an Zupferden festmachen. Schwarzenegger hatte seinerzeit immerhin schon als Terminator fast die Menschheit ausgerottet, ist auf dem Mars gewandert, hatte einen Predator erlegt, seinen Teil zur Ost-West-Verständigung beigetragen, ein barbarisches Schwert geschwungen und nicht zuletzt mit „Commando“ im Grunde den prototypischen, tumben Actionfilm (nah an der Parodie) der Achtziger gedreht. Da lacht man gleich doppelt, wenn dieser Mann vor einer Horde Kleinkinder kapituliert. Und was hat Vin Diesel zu vermelden? Einmal Auto gefahren, sich einmal glücklich und einmal unglücklich als gefährlicher Space-Outlaw probiert, einen hirnlosen Anti-Bond für die MTV-Generation abgegeben und sich zudem mit „A Man Apart“ und „Knockaround Guys“ jahrelang im Giftschrank verstecken dürfen. Da fehlt etwas und zwar die nötigen Rollen, um sich als Babysitter wirklich zum Affen zumachen.

Nichtsdestotrotz ist aus „The Pacifier“ eine soweit unterhaltsame Komödie geworden, die in den ersten fünf Minuten mit einer gelungenen, explosiven Actionsequenz Shane Wolf (Diesel) als DEN harten SEAL schlechthin vorstellt. Doch seine Mission ist nicht abgeschlossen und deswegen muss er im Haus der Plummers auf den Nachwuchs aufpassen, während Mutter in die Schweiz reist, um den, in einem Bankschließfach lagernden, Schlüssel zu einem mordsmäßig wichtigen Programm zu besorgen. Neben peinlichen, vielleicht nicht politisch gemeinten aber trotzdem blöden Anspielungen auf die amerikanischen Intimfeinde Nordkorea und Russland vermasselt das ohnehin minderbegabte Autorenduo Thomas Lennon und Ben Garant (schrieben beide auch „New York Taxi“ und „Herbie: Fully Loaded“, beides Filme die nicht gerade positiv aufgrund ihrer Drehbücher auffallen) die Essenz der Situation, nämlich das selbige Shane irgendwann über den Kopf wächst. Er hat zwar mit den aktiven Plagen so seine Liebe Not, aber mit militärischer Disziplin kann er sie doch relativ mühelos kontrollieren. Dabei war Arni, der im Kindergarten so seine liebe Müh’ und Not hatte und abends total fertig ins Bett fiel, doch das Witzigste am „Kindergarten Cop“. Der großmäulige Vize-Direktor und die fesche, verständnisvolle Direktorin Claire Fletcher (Lauren Graham, „Gilmore Girls“, „Bad Santa“), auf die zum Schluss auch noch eine überflüssige Romanze wartet, dienen da nur als Füllmaterial.

Dass der Film nicht Schiffbruch erleidet, liegt an Vin Diesel, der sichtlich Spaß hat mal in einer anders gearteten Rolle zu fungieren und sich auf die Schippe zu nehmen, sowie den quietschfidelen Jungdarstellern. Wenn Shane nämlich eine Gute-Nacht-Geschichte mit dem Bereicht eines militärischen Einsatzes kreuzt und Wörter wie Uran und Sperrfeuer fallen oder er kurzerhand die Partyorgie im eigenen Haus beendet und die Gäste bestimmt zum Putz befiehlt, macht der Film wieder Spaß. Die Streiche, die ihm der kecke Nachwuchs spielt, sind dagegen weniger komisch. Wirklich witzig wird es echt nur, wenn Diesels Geduld auf die Probe gestellt wird.

Schade, dass diese Situationen sich merklich aufzulösen beginnen, nachdem zwei attackierende Ninjas Shane alles abfordern und das halbe Haus verwüsten. Denn von nun an beginnen die Kleinen ihn in ihr Herz zu schließen, worauf dann etwas Menscheln seitens Diesel beginnt und er ihnen hilft sich selbst zu verwirklichen oder einfach Nachhilfe in Sachen Fahrschulunterricht oder Selbstverteidigung (inklusive einer „Zwei glorreiche Halunken“ – Reminiszenz) gibt. Hinter vielen Szenen steht leider deutlich der erhobene, moralische Zeigefinger des Disney-Konzerns, der hierfür die entsprechenden Millionen zu Verfügung stellte.

Wie erwartet, schließt Shane die Racker-Bande auch in sein Herz und muss sie final vor dem großen Unbekannten retten. Die letzten 15 Minuten sind schon eindeutig nicht mehr ganz so lustig, abgegriffen und einfallslos, zumal die Überraschungen sich in Grenzen halten und Diesels Selbstparodie keine Rolle mehr spielt. Ich würde lügen, wenn ich schreiben würde, ich hätte mich nicht ganz passabel unterhalten gefühlt, aber einige Witze sind einfach zu abgedroschen. Dass der Rest funktioniert, liegt vor allem an Vin Diesel, den ich, auch wenn der entsprechende Ruf wie erwähnt fehlt, so gut gar nicht erwartet hätte. Mit knapp 85 Minuten hält man sich auch vergleichsweise kurz. Längen treten keine auf und gute Gags sind auch tatsächlich vorhanden (u.a. wird Diesel von eine Ente malträtiert), echte Schenkelklopfer hingegen nicht.

Fazit:
Kurzweilige Familienunterhaltung für zwischendurch mit einem sich erstaunlich souverän aus der Affäre ziehenden Vin Diesel. Die Story ist freilich Quatsch, ein echtes Gagfeuerwerk entbrennt auch nicht, aber das sympathische Zusammenspiel von Groß und Klein, sowie ein militärisch variiertes Alltagsleben sorgen für Unterhaltung. Durchschnitt, mehr nicht.

Wertung:
5/10 Punkte

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