Banksy - Exit Through the Gift Shop (2010)

OT: Exit Through the Gift Shop - 87 Minuten - Dokumentation / Komödie
Banksy - Exit Through the Gift Shop (2010)
Regie:
Drehbuch:
Kinostart: 03.12.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Banksy - Exit Through the Gift Shop

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Banksy ist ein mittlerweile legendärer Graffitikünstler, der im Guerillastil vorgeht und wie aus dem Nichts losschlägt um seine Kunstwerke unters Volk zu bringen. Seine Werke sorgten zunächst in Großbritannien für Aufsehen, aber mittlerweile ist er in vielen Ländern der Erde aktiv. Doch trotz seines Ruhms in der Street Art Szene (Banksy hat unter anderem einen grandiosen Simpsons Couchgag entworfen, siehe Youtube: Banksy Simpsons) ist Banksy ein Phantom. Kaum jemand weiß wie er eigentlich aussieht und ebenso mysteriös ist auch sein erster Film ausgefallen: Was also Doku über Street Art beginnt, wird bald schon zur unglaublich witzigen Mockumentary die sich geschickt über den Medienzirkus und die Kunstszene lustig macht.

Ein geschickter Schachzug dabei ist schon einmal die grundlegende Ausgangslage des Films: Denn Exit Through the Gift Shop beginnt mit dem Fokus auf Thierry Guetta, der eine Dokumentation über Street Art drehen will und bald schon eine Obsession entwickelt. Er folgt den Künstlern bei ihren Streifzügen und filmt sie dabei. Doch als er über den Namen Banksy stößt erreicht seine Faszination eine neue Ebene. Er will den geheimnisvollen Star der Szene für seine Doku gewinnen. Banksy stimmt widerwillig zu, doch ist unzufrieden wie sich alles entwickelt (Guettas fertige Doku ist ein Fiasko). Also dreht er nun selbst eine Doku - über Thierry Guetta, der mittlerweile selbst versucht als Künstler durchzustarten...

Das ist der Stoff aus dem grandios-absurde Filme sind. Exit Through the Gift Shop hat von der ersten Sekunde an eine fast schon magische Aura, die der Film auch immer wieder geschickt ausspielt. Banksy macht sich eine Spaß und inszeniert grandiosen Schwachsinn, der mit seinem Dokumentarfeeling und seiner gefühlten Authentizität tatsächlich real anmutet und sicher den einen oder anderen unvorsichtigten Zuseher aufs Glatteis führen wird. Denn auf äußerst unterhaltsame Weise mischt der Film Fakt und Fiktion und entwickelt dabei seinen ganz eigenen Stil, der vor allem eins ist - zum Brüllen komisch.

Exit Through the Gift Shop liefert auf der einen Seite einen Einblick in die Street Art Szene, unterwandert aber gleichzeitig das gesamte Wesen der Kunst und ihre Kommerzialisierung in der modernen Gesellschaft. Banksy macht sich dabei bitterböse über die bemühten Anhänger der Kunst lustig, die nur darauf aus sind sich sehen zu lassen und vielleicht beim Rausgehen noch ein Souvenir zu ersteigern. Im Gegensatz dazu stehen Kunstwerke, die mit gigantischem Aufwand die Macht des Absurden repräsentieren (wenn etwa eine Telefonzelle zersägt und im falschen Winkel wieder zusammengeschweißt wird, nur um zu irritieren. Denn welcher Vandale würde sich schon so einen Aufwand antun?).

Besonders aber mit der Figur des Mr. Brainwash, das spätere Pseudonym von Thierry Guetta, erreicht der Film noch eine weitere Dimension der Unterhaltung. Seine platten und völlig misslungene Kunstwerke haben zwar absolut keine Seele, das ändert aber nichts daran, dass er zum neuen Star der Szene wird und sich dabei eine goldene Nase verdient. Was Banksy widerum zu einigen bissigen Kommentaren verleitet. Wer sich auf die gesamte anarchische Attitüde des Films einlassen kann, der wird jedenfalls nicht mehr aufhören können zu lachen, denn wie Exit Through the Gift Shop das gesamte System auf die Schippe nimmt ist eigentlich unübertrefflich.

Und dazu kommt auch noch, dass der Film geschickt mit dem Begriff der Authentizität spielt. Denn durch den rauen und teilweise etwas chaotischen Look des Films entsteht zweifellos ein gewisses authentischen Gefühl. Aber gleichzeitig kann man sich eben nie wirklich sicher sein wo genau die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion zu verschwimmen beginnt. Denn durch den Dokumentarstil muten selbst die absurdesten Szenen real an und die bewusst ernsthaft agierenden (und damit schon wieder unterhaltsam und ironisch vorgehenden) Darsteller sorgen zusätzlich dafür, dass man sich nie ganz sicher sein kann wo jetzt die echte Welt endet und die Persiflage beginnt - und umgekehrt, was erneut als großartiges Statement zur Kunstszene im Allgemeinen verstanden werden kann.

Gleichzeitig hat der Film aber noch eine weitere Dimension, die ihn noch einmal aufwertet. Denn mit stimmungsvollen Soundtrack und hohem Unterhaltungswert, hält der Film zwar durchgehend einen unglaublich kurzweiligen Flow, aber gleichzeitig macht er sich eben auch über sich selbst lustig, was der Geschichte eine zusätzliche Selbstreflexivität verleiht, die selten ist in der heutigen Filmlandschaft. Auch die Marke Banksy wird natürlich von der äußerst geschickten Eigenwerbung profitieren. Exit Through the Gift Shop ist jedenfalls ein großartiger Film, der auf eigenständige Weise für grandiose Unterhaltung sorgt. Ein Film den man nicht so schnell vergessen wird und den man sich unbedingt ansehen sollte.

Fazit:
Exit Through the Gift Shop ist nicht weniger als die vielleicht beste Dokumentation des Kinojahres. Der legendäre Street Art Künstler Banksy inszeniert diese anarchische, ungezähmte und gnadenlos selbstreflexive Mockumentary an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion, macht sich über alles und jeden lustig und liefert die ultimative Persiflage der Kunstszene. Das Ergebnis ist ein unglaublich unterhaltsamer und denkwürdiger Film, den man sich unbedingt ansehen sollte.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 13
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