Das Siebente Siegel

OT: -  96 Minuten -  Drama
Das Siebente Siegel
Kinostart: 14.02.1962
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Siebente Siegel

Von am
 

Nach dem Ende einer Schlacht, die zur Zeit der Kreuzzüge geführt wurde, befindet sich Ritter Antonius auf dem Weg in seine Heimat. Während sein Gefährte schläft, nähert sich ihm der Tod, den er jedoch von seinem Vorhaben abbringen kann, indem er ihn mit einem Schachspiel herausfordert.


Wer bist du?
Ich bin der Tod.
Kommst du, um micht zu holen?
Ich bin schon lange an deiner Seite gegangen.
Das weiß ich.
Bist du bereit?
Mein Körper ist bereit. Ich nicht... Warte einen Augenblick!
Das sagen sie alle. Aber ich lasse nicht mit mir handeln!
Du spielst gern Schach, nicht wahr?
Woher weißt du das?
Ich habe es auf Bildern gesehen. Ich habe davon gehört.
Ja. Ich bin tatsächlich kein schlechter Schachspieler.
Warum willst du mit mir Schach spielen?

Das ist meine Sache.
Meinetwegen.
...

Du spielst Schwarz.
Das trifft sich gut. Ich liebe Schwarz.



Als sie am nächsten Morgen ihre Reise fortsetzen, müssen sie feststellen, dass in ihrer Heimat die Pest ausgebrochen ist, weshalb einige Menschen, aufgrund der großen Zahl an Opfern, den Weltuntergang befürchten und in der Hoffnung diesen doch noch abwenden zu können, zu extremen religiösen Maßnahmen greifen.
Das ist der Grund für den Titel des Films, der mit einem Zitat aus der Offenbarung des Johannes beginnt, in dem beschrieben wird, wie das apokalyptische Lamm, das letzte der sieben Siegel bricht mit denen das Buch der sieben Siegel versehen ist und damit das Ende der Welt einleitet.


Als sie in einem Dorf ankommen, nutzt Antonius die Gelegenheit, um in einer Kirche Beichte abzulegen. Dabei erklärt er dem vermeintlichen Priester zum einen seine verzweifelte Suche nach einem Sinn im Leben und einem Beweis für die Existenz Gottes. Andererseits wird der Grund, der ihn dazu bewog, den Tod um einen Aufschub zu bitten, dargelegt: Er wolle wenigstens eine sinnvolle Tat vollbringen. Zu spät, nachdem er bereits seine Strategie im Schachspiel mit dem Tod verraten hat, gibt sich der Priester als Sensenmann zu erkennen...


 Ich möchte beichten, aufrichtig und gläubig.
...
Die Menschen sind mir immer gleichgültig gewesen.
Ich gehöre nicht mehr zu ihrer Gemeinschaft.
Ich lebe nicht mehr in der wirklichen Welt.
Ich bin in die Träume meines Ichs eingeschlossen.

Und trotzdem willst du nicht sterben?
Doch! Ich will!
Und warum zögerst du?
Ich will Gewißheit haben.
Du willst Garantien haben.
Nenn es wie du willst.
Ist es denn wirklich so vermessen hinter Gottes Pforten blicken zu wollen?
Warum versteckt er sich vor uns in einem Dunstkreis halb eingelöster Verprechen.
Warum zeigt er sich nicht?
...
Ich will Gewißheit haben. Nicht mehr nur hoffen.
Nur immer wieder annehmen müssen.
Wenn es ihn gibt, will ich, daß Gott mir seine Hand reicht, mir sein Angesicht enthüllt und mit mir spricht.

Aber er schweigt.
Ich rufe zu ihm in die Finsternis, aber es scheint, als ob es dort niemanden gäbe.
Vielleicht ist dort wirklich niemand.
Dann ist unser Streben auf dieser Welt sinnlos und grausam.
Kein Mensch kann so leben. Immer den Tod vor Augen und die Gewißheit, daß alles sinnlos ist.

Die meisten Menschen denken nicht an den Tod und die Sinnlosigkeit des Lebens.
...
Du bist unsicher.

Der Tod wollte mich heute früh holen. Ich spiele mit ihm um mein Leben.
Die Frist, die mir bleibt, erlaubt mir, noch etwas in Ordnung zu bringen.

Und was?
Mein Leben war eine Jagd, eine Irrfahrt, ein Gespräch ohne Inhalt und Notwendigkeit.
Es war sinnlos. Ja!
Ich mache mir keine Vorwürfe, ich bin nicht verbittert.
Ich weiß, dass fast alle Menschen ihr Leben ebenso sinnlos vertun.
Aber ich will versuchen, daß ich meine Erkenntnis noch für eine sinnvolle Handlung anwenden kann.

Ah, und deshalb spielst du Schach mit dem Tod.


Sie setzen ihre Reise fort und erreichen ein Dorf, in dem ein junges Paar eine Vorstellung präsentiert, die jedoch unterbrochen wird, da das Dorf auch auf dem Weg von Flüchtigen liegt, die Gott anflehen, er möge sie vor der Pest bewahren. Einige Wachen haben die Aufgabe eine angeblich vom Teufel Bessessene vor der übrigen Bevölkerung abzuschotten, bis sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll. Antonius versucht mit ihr zu sprechen, da sie ihm helfen könnte, Gewißheit über die Existenz Gottes zu erlangen. Er müsse nur tief genug in ihre Augen schauen, doch Antonius erkennt nichts, außer Angst.

   

Als sie das Dorf verlassen, nehmen sie einige Einwohner mit, die Angst haben allein durch den Wald zu reisen. Als sie ihr Lager aufschlagen, tritt der Tod an Antonius heran und fordert ihn auf das Schachspiel zu beenden. Da Antonius durch die Flucht des jungen Paares, das sie mitnahmen, abgelenkt ist, verliert er das Spiel. Wenn er dem Tod das nächste Mal begegnet, werde er und alle, die bei ihm sind, sterben. Da sein Ende nun unabwendbar ist, fragt er den Tod, ob er etwas von der Existenz Gottes wisse, was dieser weder bejaht noch verneint.


Mit dem nächsten Zug bist du Matt.
Es ist aus.
Hattest du Freude an deinem Aufschub?
Ja.
Umso besser. Jetzt werde ich dich verlassen.
Wenn wir uns das nächste Mal treffen, ist deine Zeit und die der Leute bei dir, um.

Du verrätst deine Geheimnisse?
Ich habe keine Geheimisse.
Du weißt also auch nichts.
Ich bin unwissend.


Die Reise von Antonius und seinen Gefährten ist zu Ende, als er sein zu Hause erreicht, in dem seine Frau all die Jahre über auf ihn gewartet hatte. Alle Dorfbewohner seien bereits vor der Pest geflohen, aber sie ist geblieben, erzählt sie ihm und seinen Gefährten. Als sie anfangen zu speisen, klopft der Tod an die Tür... und nimmt sie mit.


Das siebente Siegel erzeugt gleich zu Beginn Spannung, da der Tod nicht lange auf sich warten läßt. Die Lösung des Problems, das Schachspiel, das zumindest Aufschub garantiert, wirft zwei weitere Fragen auf, wodurch die Spannung aufrecht erhalten wird: Warum ist für den vom Tode Bedrohten der Aufschub so bedeutsam? Wird er dem Sensenmann im Schachspiel überlegen sein? Eine dieser beiden Fragen wird im vermeintlichen Dialog mit dem Priester durch eine andere ersetzt, da wir erfahren, daß Antonius noch eine letzte, seine einzige, sinnvolle Tat, ausführen möchte.

In diesem Zusammenhang tritt eine dritte Frage hinzu, die Frage nach der Existenz Gottes. Da Antonius dem vermeintlichen Priester seine Spielstrategie verrät, können die Chancen auf einen Sieg für Antonius nur sinken - ein Aspekt, der eine schärfere Frage aufwirft: Ist er dem Tode dennoch überlegen?
Wenn er es schon nicht im Spiel sein kann, so doch wenigstens außerhalb dessen, in dem er dem jungen Paar die Flucht ermöglicht und damit die ersehnte sinnvolle Tat vollbringt, für die er den Tod um Aufschub bat.


Neben diesen drei Fragen, die der Haupthandlung ihre Richtung vorgeben, werden in zahlreichen Nebenhandlungen weitere Fragen aufgeworfen, auf die zum Teil amüsant, zum Teil abstoßend eingegangen wird. So wird die Frage nach der Beziehung zwischen Mann und Frau recht witzig vorgetragen. Besondere Erwähnung verdient, wie ich finde, die Ästhetik der Bilder, deren Wirkung mangels Farbe sicherlich gesteigert wird. Insbesondere der Tod, dessen helles Gesicht in Kontrast zu seiner schwarzen Kleidung steht, wirkt optisch überzeugend.


Fazit:
Ein Film, der die philosophisch unbeantwortbaren Fragen, wie die nach der Existenz Gottes und dem Sinn des Lebens nicht nur aufwirft, sondern auch zu beantworten versucht: Der Sinn besteht in der Vollbringung einer sinnvollen Tat - das klingt zunächst tautologisch, wird jedoch in Das siebente Siegel mit dem Retten von Menschenleben konkretisiert. Da Antonius der Nachweis für die Existenz Gottes versagt bleibt, sollte man vermuten, daß eine Antwort unmöglich sei. Allerdings beantwortet der Gefährte von Antonius diese Frage am Ende des Films, als der Tod sie holt, negativ:

In der Finsternis vor der du stehst, ist niemand.
Das weißt du, wie alle wir es wissen.
Du findest niemanden, der deine Klagen anhören, der deine Leiden heilen wird.


Wertung:
9/10 Punkte

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Erstellt: 18.09.2012