I'm Still Here (2010)

OT: I'm Still Here - xx Minuten - Dokumentation / Komödie / Drama
I
Kinostart: 11.11.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu I'm Still Here

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Die Geschichte dürfte an keinem Filmfan spurlos  vorbeigegangen sein: Der zweifach für den Oscar nominierte Schauspieler Joaquin Phoenix beschließt aus heiterem Himmel seine Schauspielkarriere an den Nagel zu hängen - er will Rapper werden. In Folge häufen sich seine seltsamen Auftritte. Er lässt sich einen Vollbart wachsen, erscheint zunehmend ungepflegter und spätestens nach seinem mittlerweile legendären Auftritt in der Late Night Show fragt sich die ganze Welt was eigentlich los ist. Bald häufen sich die Gerüchte, sein Schwager Casey Affleck, der ihn ständig mit der Kamera begleitet, würde eine Mockumentary inszenieren. Doch dieser bestreitet dies vehemment.

Alles beginnt mit dem großen Kollaps von Joaquin Phoenix. Er hat es satt immer nur in die Haut von fremden Charakteren zu schlüpfen. Stattdessen will er einmal nur er selbst sein. Also kündigt er seinen Rückzug aus der Schauspielerei an und will sich seiner Musikkarriere widmen. Doch während er sich in seinen Texten als Hip Hopper zu verwirklichen versucht nimmt ihn keiner ernst. Die Medien sprechen von einem Hoax, sein Wunschproduzent P. Diddy hat nie Zeit für ihn und es gibt Probleme mit seinem Assisstenten. So wird aus der Dokumentation, die Casey Affleck über den Aufstieg seines Schwagers in der Musikindustrie drehen wollte, bald eine Dokumentation über den Verfall eines Stars...

Joaquin Phoenix und Casey Affleck haben ihre Idee unter größten Anstrengungen und mit brutaler Konsequenz durchgezogen. Besonders was sich Joaquin Phoenix mit dieser Darbietung angetan hat verdient großen Respekt. Recht viel mehr kann man sich für einen Film wohl nicht aufopfern. I'm Still Here sprengt sowohl die Grenzen des Dokumentarfilms, als auch die Grenzen des Spielfilms und wird fast zu einer lebenden filmischen Performancekunst. Das sich ein Schauspieler der A-Klasse für so etwas hergibt ist jedenfalls höchst imponierend.

Dabei ist man dem Ansatz der Verschwiegenheit bis zuletzt treu geblieben. Während den Dreharbeiten kamen zwar bereits erste Gerüchte auf, dass alles möglicherweise nur ein Hoax sei, aber so richtig wusste niemand was Sache ist. Selbst nach der Weltpremiere in Venedig herrschte Verunsicherung. Diese lange Phase der Unsicherheit hat nun dazu geführt, dass selbst nachdem Regisseur Casey Affleck bestätigt hat, dass alles nur Show war manche Leute behaupten, dass es sich dabei nur um Schadensbegrenzung handelt.

Und wer den Film gesehen hat, kann zumindest nachvollziehen woher diese Zweifel kommen. Denn Joaquin Phoenix spielt seinen eigenen Zerfall epochal und mit enormer Eindringlichkeit. Auch Casey Afflecks Inszenierung wirkt im Rahmen der Mockumentary sehr glaubhaft, was aber nicht nur dazu führt, dass das Wesen des Films in Frage gestellt wird, sondern vor allem die Absichten die dahinter stehen sehr stark zum Ausdruck kommen. So wird I'm Still Here zur bitterbösen Showbusiness- und Mediensatire, die wohl niemanden kalt lassen wird.

Tragik und Komik sind im Film jedenfalls nicht weit voneinander entfernt. Das Konzept bewirkt jedoch, dass sich kleine Längen und Redundanzen eingeschlichen haben. Auch geht man an manchen Stellen unsinnigerweise zuweit, was besonders für die "I shit in your face" Szene gibt, die man sich hätte sparen können. Somit ist das Projekt I'm Still Here von der Idee bis hin zur Konsequenz der Durchführung wohl interessanter als der Film der schlussendlich daraus entstanden ist. Aber alleine die unglaublich aufopfernde, masochistische Darbietung von Joaquin Phoenix macht den Film schon sehenswert.

Fazit:
I'm Still Here ist nicht weniger als das vermutlich mutigste Projekt, das ein A-Schauspieler aus Hollywood seit langem durchgezogen hat. Joaquin Phoenix brilliert in einer atemberaubenden und masochistischen Darbietung die es schafft die Grenzen von Fakt und Fiktion zu zertrümmern. Das Projekt das dahinter steht ist zwar wahrscheinlich interessanter als der Film der schlussendlich herausgekommen ist, da sich Redundanzen und Längen eingeschlichen haben, aber alleine die Leistung von Joaquin Phoenix macht den Film schon sehenswert.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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