Somewhere (2010)

OT: Somewhere - 98 Minuten - Drama
Somewhere (2010)
Kinostart: 12.11.2010
DVD-Start: 14.04.2011 - Blu-ray-Start: 14.04.2011
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Filmkritik zu Somewhere

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Dass es als Kind einer Berühmtheit nicht immer nur leicht ist, sollte bekannt sein, Sofia Coppola verarbeitet aber den Schatten ihres übermächtigen Vaters Francis Ford Coppola immer wieder gerne in ihren Filmen. Dass ihr letzter Film Marie Antoinette nicht gerade ein Erfolg war ist dabei nur der nächste Grund sich wieder dem vertrauten Thema der Isolation im goldenen Käfig zu widmen, das sie ja bereits in Lost in Translation in den Mittelpunkt rückte. Auf eine klassische Dramaturgie verzichtet sie dabei, stattdessen gibt sich Somewhere dem Moment hin und versucht den Charakter seiner Hauptfigur auf etwas andere Weise zu ergründen.

Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein erfolgreicher Filmstar und lebt im legendären Chateau Marmont Hotel. Sein Leben läuft aber nicht unbedingt so, wie man es von einem Filmstar erwarten würde: Er schlägt die Zeit tot, langweilt sich, hat bedeutungslosen Sex, driftet durchs Leben und geht unmotiviert zu den PR Terminen für seinen neuesten Film. Der einzige Lichtblick ist dabei seine Tochter Cleo (Elle Fanning). Für ein paar Tage soll sie bei ihm wohnen, was seinem Leben zumindest für kurze Zeit eine ungewohnte Perspektive verleiht...

Sofia Coppolas Somewhere hat die Kritik bereits in Venedig gespalten und wird auch das Publikum in zwei Lager teilen. Und das hat auch seinen guten Grund. Denn sie inszeniert in Somewhere bewusst einen Film mit viel Leerlauf, ohne klassische Dramaturgie und wirkt auch in ihrer Inszenierung eher streng als experimentierfreudig. Viele werden sich sehr schwertun in den Film zu kippen, aber wem es gelingt, der wird durch einen fantastischen Filmfluss belohnt, der es schafft eine traumwandlerische Atmosphäre zu erzeugen und seine Zutaten wundervoll zu mischen.

Denn aus den Einzelkomponenten wächst in Somewhere durchaus etwas Größeres. Coppola umschifft die zahlreichen Fettnäpfchen die sich in der traditionellen Vater-Tochter Geschichte verbergen mit Bravour und bringt uns den Charakter ihrer Hauptfigur auf eindringliche Weise näher. Sie bricht dabei sehr geschickt mit dem Glamour der Filmwelt und zeigt uns mit Johnny Marco einen Darsteller, der die Schauspielerei mittlerweile auch nur mehr als nervigen Job ansieht, unsinnige Pressetermine abspult und in der Zwischenzeit alleine herumlungert, einsame Runden in seinem Ferrari dreht oder sich mit unbefriedigenden Frauenbekanntschaften die Zeit vertreibt.

Somewhere ist dabei aufgebaut als filmische Blase. Durch radikale Ortswechsel und dem Fehlen einer klassischen Geschichte bringt uns Coppola in die Lage ihrer Hauptfigur: Ohne genau zu wissen was vor sich geht hetzen wir mit ihm von einem Termin zum anderen, sitzen plötzlich in einer verwirrenden italienischen Preisverleihung oder sehen uns Journalisten konfrontiert, die entweder völlig belanglose Dinge fragen oder in einen Actionfilm pseudo-intellektuellen Schwachsinn hineininterpretieren. Und dieser blasenartigen Struktur verdankt der Film auch seinen tollen Fluss.

Hinzu kommt, dass es Sofia Coppola vortrefflich versteht aus der Lethargie des Films einen ganz besonderen Humor zu kitzeln. Die enorme Trägheit der Figuren, der Geschichte und der Inszenierung sorgt bewusst für eine ganz andere Wahrnehmung, aus der zahlreiche wunderbare Gags erwachsen. Somewhere ist dabei auch eine Art Sammelbox an Ansätzen, die zum gedanklichen weiterspinnen einladen, wie etwa die angedeuteten Nebenhandlungen im Chateau Marmont Hotel, in dem sich hinter jeder Ecke eine neue Geschichte zu verbergen scheint. Getragen und zusammengehalten wird all dies von einem fabelhaften Stephen Dorff, der den gelangweilten Schauspieler mit tragischen Humor und herzigen Charme verkörpert.

Fazit:
Somewhere ist ein atmosphärisch wunderbarer Film, der das Leben im Showbusiness als gigantische Blase zeigt, in der man traumwandlerisch von einem Ort zum Anderen wandelt ohne jemals wirklich zu wissen was man eigentlich genau gerade macht. Aus der Lethargie der Inszenierung und der Geschichte ohne konventionelle Dramaturgie erwächst mit der Zeit ein ganz besonderer Humor und ein fast magischer Filmfluss. Somewhere wird das Publikum sicher spalten, aber wer in den Film kippt, der wird ihn nicht so schnell vergessen.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 11
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