Dunkelblaufastschwarz

OT: -  105 Minuten -  Drama
Dunkelblaufastschwarz
Kinostart: 29.06.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Dunkelblaufastschwarz

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Daniel Sanchez Arevalo konnte bereits mit seinem ersten Spielfilm Dunkelblaufastschwarz in seinem Heimatland Spanien für Aufsehen sorgen. Der Film gewann drei der begehrten Goya-Filmpreise (Bester Nachwuchsregisseur, Bester Nebendarsteller und Bester Nachwuchsdarsteller) und wurde von der Kritik gefeiert. Viele verglichen das Werk mit denen von Pedro Almodovar und bei näherer Betrachtung ist dieser Vergleich absolut berechtigt. Dunkelblaufastschwarz erzählt seine Geschichte im Mikrokosmos einer Familie und würzt die tragische Ausgangslage mit einer gehörigen Dosis Humor.

Jorge (Quim Gutierrez) fühlt sich schuldig am Schlaganfall seines Vaters und hat deshalb seine Pflege und auch seine Anstellung als Hausmeister übernommen. Nebenbei beendet er sein BWL Studium und sucht einen besseren Job. Jedoch wird er bei allen Bewerbungsgesprächen abgelehnt. Sein Bruder Antonio (Antonio de la Torre) sitzt derweil im Gefängnis und hat sich beim Theaterkurs eingeschrieben um Frauen kennenzulernen. Dies gelingt ihm auch relativ bald und er verliebt sich in die schöne Paula (Marta Etura).

Damit Paula aus dem schäbigen Gefängnistrakt, in dem es eine schöne Frau gar nicht leicht hat, entkommt will Antonio sie schwängern, damit sie auf die gemütliche Mutter-Kind Station verlegt wird. Leider hat Antonio eine Krampfader im Hoden sodass er Zeugungsunfähig ist. Währenddessen ist die Langzeitfreundin von Jorge, Natalia (Eva Pallares), von ihrem Auslandssemester zurückgekehrt und sein bester Freund Israel (Raul Arevalo) hat ein neues Hobby gefunden: Vom Dach aus fotographiert er die Kunden eines Masseurs, die sich von diesem viel mehr als nur massieren lassen. In diesem Chaos hat Antonio eine Idee: Er will dass Jorge seine Freundin schwängert...

Bereits der Titel Dunkelblaufastschwarz bezeichnet treffend um was sich der Film dreht: Es geht um Übergänge und dem Fortschreiten im Leben. Jorge versucht sein Hausmeisterdasein hinter sich zu lassen und sich einen Beruf zu suchen, der eher seinen Qualifikationen entspricht. Bezeichnend dafür betrachtet er jeden Abend einen Anzug im Schaufenster, der für alles steht was er gerne sein möchte. Doch nicht nur das beschäftigt ihn: Durch den Deal mit seinem Bruder hat er zwei Frauen in seinem Leben zwischen denen er sich entscheiden muss.

Auch Antonio steht vor einem Wendepunkt in seinem Leben. Er hat sich im Gefängnis in eine Frau verliebt, die seiner Meinung nach eine Klasse besser als er selbst ist und die ihn ausserhalb des Gefängnis nie bemerkt hätte. Antonio will sie schwängern, um sie bei sich zu halten. Da er es selbst nicht kann bittet er seinen Bruder es zu tun, da es für ihn fast das selbe ist, als würde er es selbst machen. Bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis weiß er nicht was er tun soll. Sein Leben ist völlig offen. Genau das selbe Problem hat Jorges Freund Israel, der sehr an sich zweifelt. Er weiß nicht wo er hin soll und was er tun soll. Mittlerweile weiß er nicht mal mehr ober homo- oder heterosexuell ist.

All diese Figuren werden von Daniel Sanchez Arevalo virtuos in eine sich zusammenfügende Geschichte gepackt und vereinen alle in sich das große Thema des Films. Schuld und Ungewissheit in einer Phase in der sich das Leben der Figuren für immer verändern soll, ist wohl der beste Satz um Dunkelblaufastschwarz zu beschreiben. Dabei erinnert der Film zunächst etwas an die Stile der beiden großen Regisseure Innaritu und Almodovar, aber Arevalo bringt genügend eigene Elemente in den Film ein. Besonders die gekonnte Mischung der tragischen Geschichte mit den humorvollen Einschüben hat es mir angetan.

Auch von der Bildsprache her hält sich Daniel Sanchez Arevalo sehr an die Grundthematik seiner Geschichte und spielt sehr mit den Farben und Übergängen in den Szenen. Die Thematik der Unentschlossenheit wurde gelungen eingefangen und man fühlt sich mit den Figuren an ihren Scheideweg positioniert. In einem Wechselbad der Gefühle lässt er den Zuseher zuerst die Härte des Lebens sprüren, fängt ihn aber bald schon wieder behutsam auf und gibt ihm eine unterhaltende Szene, welche ihn aus seiner Traurigkeit reisst.

Mit seiner feinfühligen Erzählweise und seinen facettenreichen Charakteren dringt Dunkelblaufastschwarz in das Herz des Zusehers und begeistert auf unaufdringliche Art und Weise. Ganz die Klasse eines Inarritu oder Almodovar wird schlussendlich doch nicht erreicht. Es fehlt leider das Gefühl eine wirklich bedeutende Geschichte zu sehen. Alle Fäden werden still und heimlich ausgelegt und schließlich ohne große Dynamik liegengelassen. Was dabei herauskommt ist eine gefühlvolle Geschichte mit Herz, die dem Zuseher allerdings nicht vom Hocker reisst. Eine gelungene Alternative zum Mainstream ist Dunkelblaufastschwarz aber allemal.

Fazit:
Dunkelblaufastschwarz verliert nie die Nähe zu seinen Figuren und zu seiner Geschichte. Es wird ein gekonntes Bild eines Mikrokosmos gezeichnet dass durchaus zu gefallen weiß. Mit seiner ruhigen Erzählweise trifft Regisseur Daniel Sanchez Arevalo einen Nerv, da man solche Filme heutzutage nur allzu selten antrifft. Zur ganz großen Klassen eines Innaritu oder Almodovar fehlt dennoch ein Stück.

Wertung:
7,0/10 Punkte

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