Wall Street 2: Geld schläft nicht (2010)

OT: Wall Street: Money Never Sleeps - 133 Minuten - Drama
Wall Street 2: Geld schläft nicht (2010)
Kinostart: 22.10.2010
DVD-Start: 05.08.2011 - Blu-ray-Start: 05.08.2011
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Filmkritik zu Wall Street 2: Geld schläft nicht

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Was ist nur mit Oliver Stone geschehen? Zu Beginn seiner Karriere war er noch ein Garant für großartige Filme, zunächst als Drehbuchautor (Scarface), danach als Regisseur mit Filmen wie Salvador, Platoon, Wall Street, Talk Radio, Geboren am 4. Juli, The Doors, JFK, Natural Born Killers und schließlich Nixon. Doch seitdem ist aus dem politisch aufregenden Filmemacher ein müdes Abziehbild geworden. Lediglich mit An jedem verdammten Sonntag ist ihm noch ein zumindest kurzweiliger Ausrutscher nach oben gelungen, doch ansonsten hat er Chancen mit Alexander, World Trade Center und W. vergeben und wartet nun auf das Comeback. Soviel vorweg: Wall Street: Geld schläft nicht ist nicht die erhoffte Rückkehr zur alten Form.

 

Nach seinen Insidergeschäften musste Gordon Gekko (Michael Douglas) acht Jahre im Gefängnis absitzen und ist 2001 schließlich wieder freigekommen. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Aus dem gefragten Top-Manager ist eine uninteressante Randfigur geworden. Nicht einmal seine eigene Tochter Winnie (Carey Mulligan) will etwas von ihm wissen. Doch Gordon Gekko schreibt ein Buch und katapultiert sich so wieder in die Schlagzeilen. Auf diese Weise wird auch Winnies Freund, der Investmentbanker Jacob Moore (Shia LaBeouf) auf ihn aufmerksam. Doch vorerst hat dieser andere Sorgen: Nach dem seine Firma in die Pleite rutscht, nimmt sich sein Mentor Louis Zabel (Frank Langella) das Leben. Jacob macht dafür den skrupellosen Börsenhai Bretton James (Josh Brolin) verantwortlich. Währenddessen braut sich übles am Finanzmarkt zusammen: Die Finanzkrise steht bevor…

 

Spätestens nach Wall Street: Geld schläft nicht muss man ernsthaft bezweifeln ob es Oliver Stone jemals wieder gelingen wird einen Film am Puls der Zeit zu inszenieren und ähnlich aufzurütteln wie in der Vergangenheit. Denn immerhin zeigte er mit der Vorhersage der „Greed is Good“ Mentalität wahre Orakelfähigkeiten und schaffte es stets brisante Themen unterhaltsam und spannend aufzuarbeiten. Von den früheren Stärken sind momentan nur mehr seine handwerklichen Qualitäten übrig geblieben. Denn wie man auch zum Rest stehen mag, optisch und stilistisch ist dem Film wenig vorzuwerfen.

 

Am Anfang gibt sich Wall Street: Geld schläft nicht überhaupt ziemlich leichtfüßig und viel versprechend. Stone inszeniert die Börsenkurse als Verlängerung der Skyline und entwirft ein durchaus spannendes Bild einer Finanzwelt kurz vor dem Kollaps. Doch sobald die Finanzkrise einmal losgebrochen ist, zerfällt der Film in seine Einzelteile. Wo man zuvor noch einen Hauch Wehmut, vor allem durch den Soundtrack, transportieren konnte, bleiben am Ende nur mehr massenkompatible Allgemeinplätze übrig.

 

Dabei wäre das Thema gerade zu dieser Zeit eine absolute Steilvorlage für Stone gewesen. Die Finanzkrise hat alles was er einst in Wall Street so großartig vorhergesagt hat, bestätigt und Stone hätte daran anknüpfen können um seine Kritik noch weiter zu treiben und die Charaktere in neuer Ausgangslage weiter auszuforschen. Das gelingt schon einmal deshalb nicht weil Charlie Sheen nur mehr einen (herrlich ironischen) Cameo-Auftritt absolviert, aber auch bei der ikonischen Gordon Gekko Rolle hat Stone teilweise die falschen Schwerpunkte gesetzt.

 

Denn obwohl die Figur sehr undurchsichtig angelegt ist und eigentlich als einzige Figur im Film wirklich reizvoll ist, scheint der Regisseur nicht wirklich zu wissen was er mit dieser Figur in der Gegenwart anstellen soll. So lädt er seinen Film mit Nebenplots auf, was in Folge dazu führt, dass der Film völlig zerstückelt wirkt, sich viel zu lange anfühlt und man den Eindruck gewinnt als würde Stone mit Nebensächlichkeiten Zeit schinden, damit er nicht auf das Wesentliche zu sprechen kommen muss. Das ist sehr schade und wäre dem alten Oliver Stone mit Sicherheit nicht passiert.

 

Problematisch ist auch, dass Wall Street: Geld schläft nicht auf dem Papier über einen großartigen Cast verfügt, davon aber nicht allzu viel zu sehen ist. Lediglich Michael Douglas wertet den Film auf, aber Shia LaBeouf kann nicht in die Fußstapfen von Charlie Sheen treten, Josh Brolin wird von Michael Douglas überschattet, der im ersten Film quasi die selbe Rolle spielte und Carey Mulligan wird völlig verschwendet. Von der völlig blassen Susan Sarandon gar nicht erst zu reden. Lediglich Frank Langella kann auch überzeugen, ist aber zu kurz im Film um wirklich etwas auszurichten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es dem Drehbuch nicht gelingt emotionale Reize zu setzen und sich die Story so etwas verläuft. Vor allem da man den Film auch noch mit reichlich unnötigen Szenen streckt.

 

Das alles ist unendlich schade, da Oliver Stone mit Wall Street: Geld schläft nicht wirklich alle Möglichkeiten hatte um an alte Erfolge anzuknüpfen. Doch sein Kommentar der Finanzkrise besteht nur aus Allgemeinplätzen, die in keiner Sekunde an die Qualität des ersten Teils anknüpfen können. Und das, obwohl die aktuelle Finanzkrise gerade für Oliver Stone der perfekte Hintergrund wäre um die alten politischen Stärken auszuspielen. Handwerklich kann man dem Film zwar gar nichts vorwerfen, aber das ändert nichts daran, dass der Film viele Chancen ungenützt lässt.

 

Fazit:

Wall Street: Geld schläft nicht ist leider wieder einmal nicht das erhoffte Comeback für Oliver Stone geworden. Zu oberflächlich ist der Kommentar der Finanzkrise, zu zerstückelt der Handlungsverlauf und zu blass bleiben die Figuren. Lediglich Michael Douglas lässt seine Qualität aufblitzen und Oliver Stone zeigt, dass er handwerklich immer noch einiges drauf hat, aber als Fortsetzung für einen Klassiker wie Wall Street ist das leider dennoch zu wenig.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 20
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Liste von fette_sau
Erstellt: 13.08.2013